Flugzeugabsturz an der Saalachau

Am 19. Februar 1996, einem Rosenmontag, ereignete sich unweit des Stadtgebiets Freilassing ein tragischer Flugzeugabsturz, der nicht nur für alle Beteiligten, sondern auch für die Öffentlichkeit nachhaltig in Erinnerung geblieben ist.

Eine zweistrahlige Cessna 550 Citation stürzte beim Landeanflug auf den Flughafen Salzburg nur etwa 1,5 Kilometer vor der Landebahn und rund 150 Meter von der deutsch-österreichischen Grenze entfernt in ein Waldstück der Saalachau. An Bord der Maschine befanden sich zehn Personen, darunter zwei Berufspiloten. Keiner der Insassen überlebte den Absturz.

Unvermittelt aus dem Flugraum verschwunden

Die Maschine war gegen 8:40 Uhr vom Flughafen Berlin-Tempelhof gestartet. Der Flugverlauf galt laut Flugsicherung zunächst als unauffällig, bis das Flugzeug um 9:56 Uhr plötzlich vom Radarschirm verschwand. Augenzeugen berichten von einem zunächst normalen Landeanflug, ehe die Maschine plötzlich aufstieg, über den linken Flügel abkippte und wie ein Stein senkrecht zu Boden stürzte. Kurz nach dem Aufprall kam es zu zwei Explosionen, vermutlich durch auslaufenden Treibstoff.

Alarmierung und Anfahrt

Der erste Notruf ging gegen 10:00 Uhr bei der Polizeiinspektion Freilassing ein. Aufgrund des Faschingstages wurde zunächst an einen Scherz geglaubt. Erst nach weiteren Anrufen löste die Polizei um 10:01 Uhr Großalarm nach Alarmplan aus. Alarmiert wurden die Feuerwehren Freilassing, Ainring, Saaldorf und Surheim, das Bayerische Rote Kreuz sowie das Technische Hilfswerk (THW) Freilassing.

Bereits drei Minuten später rückten das erste Tanklöschfahrzeug (TLF 16/25) mit Pulverlöschanhänger P250 sowie ein Löschgruppenfahrzeug (LF 16/12) der Freiwilligen Feuerwehr Freilassing vollbesetzt zur Unglücksstelle aus. Bereits auf der Anfahrt war eine dichte Rauchwolke über dem Waldgebiet sichtbar.

Lage vor Ort

Beim Eintreffen der ersten Kräfte stand das Trümmerfeld in Flammen, die auf einer Fläche von etwa 25 m² brannten. Die Maschine hatte beim Aufprall einen Baum gefällt und sich tief in den gefrorenen Waldboden gebohrt. Durch den Aufprall war das Flugzeug vollständig zerstört worden. Das Feuer konnte innerhalb weniger Minuten mit einem Schnellangriffsrohr gelöscht werden; anschließend wurde die Absturzstelle zur Sicherheit mit Mittelschaum eingeschäumt, da weiter Treibstoffgeruch wahrnehmbar war.

Zwar war die Anzahl der Insassen zu diesem Zeitpunkt noch unklar, dennoch wurde angesichts des Ausmaßes sofort deutlich, dass ein Überleben in diesem Wrack ausgeschlossen war.

Koordination, Absperrung und Bergung

Parallel zum Löscheinsatz begann eine systematische Suche nach möglichen Überlebenden im umliegenden Waldgebiet, unterstützt durch weitere nachrückende Kräfte. Aufgrund der geschlossenen Schneedecke konnten rasch Spuren ausgeschlossen werden, die auf eine selbstständige Flucht von Überlebenden hindeuteten. Auch ein Boot des THW suchte die angrenzende Saalach ab – jedoch ohne Erfolg.

Die Einsatzstelle wurde in zwei Sicherheitszonen aufgeteilt: eine innere Zone im Umkreis von etwa 100 Metern für Einsatzkräfte und eine äußere Absperrung, um Schaulustige, darunter leider auch Familien mit Kindern, fernzuhalten. Aufgrund des verstörenden Trümmerbildes – mit in Bäumen hängenden Wrackteilen und weit verstreuten sterblichen Überresten – war dies eine notwendige Maßnahme. Leichenteile wurden zum Schutz der Privatsphäre und aus Pietät mit Folien abgedeckt.

Unterstützung durch weitere Organisationen

Im Laufe des Tages trafen neben den Feuerwehr- und Rettungseinheiten auch Spezialisten des Luftfahrtbundesamts (LBA), des fliegermedizinischen Dienstes der Bundeswehr, der Kriminalpolizei, des Vermessungsamts sowie weiterer Behörden ein. Gemeinsam wurde die Einsatzstelle in Planquadrate eingeteilt, wichtige Funde dokumentiert und die Bergung der Opfer sowie der Wrackteile organisiert. Das THW errichtete eine Verpflegungsstation, Zelte für Einsatzleitung und Besprechungen sowie eine Stromversorgung zur Ausleuchtung der Absturzstelle bei Nacht.

Ein psychisch belastender Einsatz

Die körperliche und emotionale Belastung für die eingesetzten Kräfte war enorm. Insbesondere das Herausschneiden von sechs der Todesopfer aus dem zerstörten Flugzeugwrack, das von einem LKW-Kran gehoben werden musste, stellte eine extreme Herausforderung dar. In vielen Fällen wurden Leichenteile erst beim Ausheben kontaminierter Erdschichten gefunden – so tief hatte sich das Flugzeug durch den Aufprall in den Boden gebohrt.

Einsatzende

Der Einsatz der Feuerwehr Freilassing konnte am Mittwoch, den 21. Februar 1996, gegen 16:00 Uhr offiziell beendet werden. Zu diesem Zeitpunkt waren alle zehn Todesopfer geborgen, die Absturzstelle vollständig gesichert und gereinigt, die letzten Wrackteile abtransportiert.

Fazit

Der Flugzeugabsturz an der Saalachau war für die Freiwillige Feuerwehr Freilassing ein Einsatz, der in seiner Dramatik, seinen Anforderungen und seiner psychischen Belastung seinesgleichen sucht. Trotz aller Übungsszenarien zeigte sich in erschütternder Weise, wie schwer die Realität im Ernstfall sein kann.

Unser Dank gilt allen beteiligten Einsatzkräften, Behörden und Organisationen, die in enger Zusammenarbeit unter schwierigsten Bedingungen professionell, schnell und mit großem Respekt gegenüber den Opfern und Angehörigen gehandelt haben.


Einsatzart Technische Hilfeleistung
Einsatzstart 19. Februar 1996 10:01