Der Luftangriff auf Freilassing

Am 25. April 1945 wurde Freilassing Ziel eines verheerenden Luftangriffs durch alliierte Streitkräfte. Der Angriff begann gegen 9:30 Uhr und dauerte über zwanzig Minuten an.

Hauptziel war zunächst das südlich gelegene Heereszeugamt, ein militärisches Lager- und Versorgungszentrum der Wehrmacht, das sich auf dem Gelände der heutigen Industriegebiet im Norden von Freilassing befand. Es wurde mit hoher Präzision bombardiert und nahezu vollständig zerstört. Dort stationierte Einheiten hatten keine Chance, sich rechtzeitig zu retten – viele Soldaten kamen ums Leben.

Durch die Detonationen im Heereszeugamt wurden in der Umgebung auch zivile Gebäude in Mitleidenschaft gezogen. Es kam zu Sekundärexplosionen, da dort Munition gelagert war. Trümmer und Druckwellen richteten schwere Schäden bis in die umliegenden Straßenzüge an.

Verheerende Folgen für die Stadt

Nach der Zerstörung des militärischen Zieles verlagerte sich das Bombardement in die Innenstadt und Wohnbereiche. Ganze Straßenzüge – wie die Ludwig-Zeller-Straße, die Hauptstraße, Rupertistraße und das Bahnhofsviertel – wurden verwüstet. 63 Häuser wurden völlig zerstört, 164 schwer beschädigt. Strom und Wasser fielen großflächig aus, die Telefonverbindungen brachen zusammen. Besonders dramatisch war die Lage im Bereich der Bahnanlagen: Dort wurde das Bahnhofsgebäude getroffen, die Bahnmeisterei zerstört und das Stellwerk Ost außer Betrieb gesetzt.

Die Bevölkerung und ihre Not

In Panik suchten viele Einwohner Schutz in Kellern oder flohen Richtung Saalach. Viele verloren dabei ihr Leben – durch Bombensplitter, herabfallende Trümmer oder später durch Brände. Die traurige Bilanz des Tages: 71 Todesopfer, dazu zahlreiche Schwer- und Leichtverletzte. Der Angriff war der schwerste in der Geschichte Freilassings.

Feuerwehreinsatz unter extremsten Bedingungen

Die Freilassinger Feuerwehr war mit zwei Löschfahrzeugen (LF 15, LF 8 einer Lafettenspritze und einer TS 8 im Einsatz. Durch ausgefallene Wasserversorgung waren improvisierte Lösungen nötig – etwa das Anzapfen des Mühlbachs oder des Ölbachs mit Motorspritzen. Trotz nur 22 einsatzfähiger Männer begann sofort der Kampf gegen die Flammen. Der Angriff hatte die Wehr auch personell getroffen: Einige Feuerwehrmänner verloren ihr Heim oder waren selbst verletzt.

Hilfe kam aus den Nachbargemeinden: Fridolfing, Petting, Saaldorf, Straß, Surheim, Tittmoning (mit LF 15) und Teisendorf (mit TS 8 ). Ein Löschzug aus Salzburg traf zwei Stunden nach Einsatzbeginn ein. Die Löscharbeiten dauerten drei volle Tage, unterbrochen nur durch Fliegeralarm und Tieffliegerangriffe.

Besonderes Engagement

Einzelne Feuerwehrleute riskierten ihr Leben, um noch Menschen zu retten oder Brände einzudämmen. Unter ihnen: Dr. Josef Pfeiffer, Franz Putzhammer, Hans Süßbauer, Erwin Schnappinger, Heinrich Feil, Franz Garnweiter, Ludwig Mayer und Alfons Müller. Viele von ihnen kämpften teils eigenmächtig um jedes einzelne Gebäude.

In der Nacht vom 28. auf den 29. April 1945 verfassten Kommandant Franz Krittian und Adjutant Karl Hecht den Einsatzbericht. Beide schliefen vor Erschöpfung beim Schreiben ein – ein Bild, das den unermüdlichen Einsatz symbolisiert.

Fazit

Der Angriff auf Freilassing – eingeleitet durch die gezielte Bombardierung des Heereszeugamtes – war ein massiver Schlag gegen Militär und Zivilbevölkerung. Die Leistung der Feuerwehr, unterstützt von Kameraden aus der Umgebung und dem Salzburger Löschzug, verdient bleibende Anerkennung. Trotz aller Not herrschte Zusammenhalt, Mut und Opferbereitschaft. Diese Tage bleiben unvergessen.


Einsatzart Brand
Einsatzstart 25. April 1945 09:30