Brand einer Bahnbaumaschine

Am 20.01.2023 kam es in der Region Ainring / Freilassing zu einem spektakulären Feuerwehreinsatz. Eine brennende Bahnbaumaschine, die am Bahngleis in Ainring stand, rollte plötzlich in brennendem Zustand in den Freilassinger Bahnhof.

Alarmierung und Einsatzablauf

Die Alarmierung für die Freiwillige Feuerwehr Ainring erfolgte durch die Integrierte Leitstelle in Traunstein am 20.01.2023 um 02:51 Uhr, mit dem Alarmstichwort B ZUG.

Kurze Zeit später rücken die alarmieren Einsatzkräfte zur Einsatzstelle an der Bahnlinie Freilassing – München Höhe Straß (Gemeinde Ainring) aus.

Bereits auf der Anfahrt war bekannt, dass sich keine Personen mehr in der Lokomotive befinden und die Bahnstrecke bereits gesperrt ist.

Durch die Einsatzleitung der Feuerwehr Ainring wurden bereits frühzeitig Bereitstellungsräume zugewiesen.

Die ersten Kräfte der Feuerwehr Ainring trafen um ca. 03:00 Uhr an der Einsatzstelle ein und begannen aus sicherer Entfernung mit den Löscharbeiten.

Noch während der Löscharbeiten bewegte sich die Bahnbaumaschine um ca. 03:06 aus derzeit noch ungeklärter Ursache brennend auf der leicht abschüssigen Bahnstrecke Richtung Freilassing.

Der Einsatz verlagert sich von Ainring nach Freilassing

Der Einsatzleitwagen der Feuerwehr Ainring die Integrierte Leitstelle Traunstein das die Bahnbaumaschine unkontrolliert in Richtung Freilassing rollt. Diese informierte umgehend die Einsatzzentrale der Berufsfeuerwehr Salzburg über die Situation.

Bereits um ca. 03:11 meldete der für den nördlichen Bereich des Landkreis Berchtesgadener Land zuständige Kreisbrandmeister Michael Brandl das sich die Bahnbaumaschine bereits Höhe Adelstetten befindet.

Im Zuge der Einsatznachbereitung errechnete der stellvertretende Kommandant der Feuerwehr Freilassing Martin Eder das sich der Zug mit einer Geschwindigkeit von ca. 50 – 55 km/h in Richtung Freilassing bewegt haben muss.  

Die Beamten der Bundespolizei informierten ihre eigene Notfallleitstelle und die Notfallleitstellen der Bahn.

Der sich noch auf Anfahrt befindliche Notfallmanager der Bahn wurde durch die Notfallleitstelle der Bahn per Telefon über die aktuelle Situation informiert.

Die Einsatzkräfte der Feuerwehr Ainring, Freilassing und Weildorf wurden umgehend durch die Einsatzleitung Richtung Freilassing umdirigiert.

Die Feuerwehr Teisendorf rückte aus dem Bereitstellungsraum in Straß wieder in Gerätehaus Teisendorf ein.

Um ca. 03:13 wurde die Einsatzleitung per Funk an die Feuerwehr Freilassing übergeben.          

Der Zug wird auf ein Abstellgleis umgeleitet

Während der Anfahrt zur Einsatzstelle nahm der Notfallmanager der Bahn direkten Kontakt mit dem Fahrdienstleiter im Stellwerk am Bahnhof Freilassing auf.

Es wurde in kürzester Zeit entschieden, die brennende Bahnbaumaschine so durch den Freilassinger Bahnhof rollen zu lassen, damit diese dann auf einem Stumpfgleis im östlichen Teil des Bahngeländes durch einen Prellbock aufgehalten wird.

Durch das schnelle und besonnene Eingreifen der Bahnmitarbeiter wurde verhindert das der Zug weiter unkontrolliert Richtung Salzburg (Österreich) rollt oder im Bahnhofsbereich Freilassing größere Schäden verursacht.

Einsatz in Freilassing

Um 03:15 trafen die ersten Kräfte der Feuerwehr Freilassing am östlichen Ende des Bahnhofs ein. Bereits auf der Anfahrt konnte man schon die brennende Bahnbaumaschine hinter den Lärmschutzwänden erkennen.

Durch den Zugführer der Feuerwehr Freilassing wurden den anrückenden Einsatzkräften Bereitstellungsräume zugewiesen.

Um 03:16 traf der Kommandant der Feuerwehr Freilassing Rochus Häuslmann an der Einsatzstelle ein und übernahm die Einsatzleitung.

Um 03:18 informierte KBM Michael Brandl die ILS Traunstein das die Bahnbaumaschine am Abstellgleis zum Stehen gekommen ist, brennt und die Lärmschutzwand beschädigt hat.

Nach der ersten Erkundung ergab sich folgende Lage.

Die Bahnbaumaschine ist auf einem Abstellgleis an einem Prellbock sicher zum Stehen gekommen und brennt in voller Ausdehnung die Gefahr der Ausbreitung durch Funkenflug besteht aufgrund der Witterung nicht.

Die Zugänglichkeit zum Schadensobjekt ist über einen Notausgang zum Gleiskörper möglich. Die Wasserversorgung ist durch den direkt an der Einsatzstelle vorbeilaufenden Mühlbach ausreichend.

Personen sind keine mehr im Zug.

Nach Abstimmung der Einsatzleitung mit dem Notfallmanager der Bahn und paralleler Rückmeldung vom Einsatzleitwagen der Feuerwehr Freilassing stand fest, dass die Bahnstrecke und der gesamte Bahnhof bereits komplett gesperrt sind.

Die Oberleitungen sind allerdings noch nicht spannungsfrei und nicht geerdet.

Die Einsatzstelle wurde daraufhin um 03:27 in 2 Einsatzabschnitte Süd und Nord aufgeteilt.

Um die Einsatzstelle besser ausleuchten zu können wurde die Drehleiter der Feuerwehr Freilassing an die Einsatzstelle nachalarmiert.

Einsatzabschnitt Süd

Der Einsatzabschnitt Süd wurde dem Zugführer der Feuerwehr Freilassing Christoph Korona zugeordnet.

Das LF 20 der Feuerwehr Freilassing bekam den Auftrag über den Notausgang auf der südlichen Bahndammseite einen Löschangriff mit 2 Rohren aufzubauen und mit der Brandbekämpfung aus sicherer Entfernung zur Oberleitung zu beginnen.

Zu diesem Zeitpunkt war der Fahrdraht noch nicht Spannungsfrei. Um 03:28 konnte dann mit einem Löschangriff mit 2 handgeführten Rohren vom Randbereich des südlichen Gleises begonnen werden.

Um 04:10 Uhr zeigte der Löschangriff, der inzwischen durch das Wenderohr der Drehleiter aus dem nördlichen Abschnitt unterstützt wurde, erste Wirkung.

Parallel dazu wurde mit dem Hilfeleistungslöschfahrzeug und dem Rüstwagen die Ausleuchtung der Einsatzstelle vorbereitet und entsprechende Beleuchtungsmittel im Gleisbereich bereitgehalten. Nach bestätigter Erdung der Oberleitung durch den Notfallmanager konnte somit sofort die Beleuchtung am Schadensobjekt aufgebaut werden.

Das TLF 4000 der Feuerwehr Freilassing versorgte den Abschnitt Süd mit Löschwasser aus dem Mühlbach.

Um 04:21 wurde durch den Notfallmanager bestätigt das die Oberleitungen der 3 Gleise nach Salzburg und die Oberleitung des Abstellgleises, auf dem das Schadensobjekt steht, freigeschaltet und geerdet sind.

Somit konnte das verunfalle Bahnfahrzeug näher erkundet werden. Es wurde festgestellt, dass das 84.000 kg schwere Fahrzeug den Prellbock ca. 10 m nach hinten verschoben hat und der vordere Radsatz entgleist ist. Der Innenraum ist fast vollständig ausgebrannt.

Die neben dem Abstellgleis vorhandene Schalttechnik für die Signalanlagen der Bahnstrecke wurde ebenfalls stark in Mitleidenschaft gezogen, einige Kabel aus der zerstörten Schaltanlage berührten das Fahrzeug somit konnte noch nicht davon ausgegangen werden das das Fahrzeug tatsächlich spannungsfrei ist. Die Spannungsfreiheit wurde dann um 04:59 durch einen Mitarbeiter der Bahn bestätigt.

Nun konnten die Löscharbeiten im inneren der Lok beginnen. Diese wurden durch 2 Trupps unter Atemschutz durchgeführt. Durch Einsatz von Wärmebildkameras konnten noch einige Glutnester entdeckt und abgelöscht werden.

Weitere Erkundungen ergaben, dass der bis zu 1.000l fassende Treibstofftank (Diesel) unversehrt blieb. Die ebenfalls mitgeführten Flüssigkeiten wie etwa Motor, Hydrauliköl und Batterieflüssigkeiten waren aufgrund des Brandes im Innenraum nicht mehr vorhanden.

Die Nachlöscharbeiten in dem Unfallfahrzeug dauerten noch bis ca. 06:00 Uhr und es ergaben sich keine weiteren Überraschungen mehr die den Einsatz unnötig in die Länge ziehen.        

Einsatzabschnitt Nord

Der Abschnitt Nord wurde durch den Kommandanten der Feuerwehr Ainring Martin Waldhutter ab 03:27 geleitet.

Es wurde mit dem Hilfeleistungslöschfahrzeug der Feuerwehr Ainring ein Löschangriff auf der nördlichen Seite des Bahndamms vorbereitet, um auf eventuelle Brandereignisse auf der Nordseite schnell reagieren zu können. Das Löschwasser wurde durch die Feuerwehr Weildorf mittels Tragkraftspritze aus dem Mühlbach bereitgestellt.  

Nachdem die Drehleiter vorerst nur zur Beleuchtung der Einsatzstelle vorgesehen war und der Löscherfolg durch die zwei handgeführten Rohre im südlichen Abschnitt nicht schnell genug den gewünschten Erfolg zeigte, wurde ab 03:56 ein Löschangriff aus sicherer Entfernung mit dem Wenderohr der Freilassinger Drehleiter durch einen Ainringer Angriffstrupp durchgeführt. Dieser zeigte dann ab 04:10 deutliche Wirkung.

Parallel zum Löschangriff unterstützen die Einsatzkräfte aus dem Abschnitt Nord die Bahnmitarbeiter beim Transport der Bahnerdungssätze in den Schienenbereich.

Um 04:30 konnten die ersten Kräfte den Abschnitt Nord bereits verlassen.

Um sich einen Überblick der Einsatzstelle von oben zu verschaffen, nutzen die Beamten der Bundespolizei die Drehleiter.

Um 04:45 wurde der Abschnitt Nord aufgelöst und die Einsatzkräfte der Feuerwehren Ainring und Weildorf rückten wieder ein.    

Kontrolle der Bahnstrecke

Um sicherzustellen das auf der Bahnstrecke keine Folgeschäden durch die „Geisterlok“ entstanden sind kontrollierte die Bundespolizei die Bahnstrecke. Es wurden keine weiteren Feststellungen an der Strecke gemacht.

Der angeforderte Hubschrauber der Bundespolizei konnte aufgrund der Witterung (Schneefall) nur bis Teisendorf fliegen, ein Überflug über die Einsatzstelle in Freilassing war nicht mehr möglich.

Die Feuerwehr Ainring verlegte um 04:56 nochmal mit einem Einsatzleitwagen und einem Hilfeleistungslöschfahrzeug an die ursprüngliche Einsatzstelle bei Straß und unterstütze die Bahn und Bundespolizei durch Ausleuchten der Einsatzstelle.       

Einsatzabschnitt Atemschutzsammelstelle

Es wurde bereits in der Anfangsphase des Einsatzes eine Atemschutzsammelstelle durch den Gerätewagen Atemschutz / Strahlenschutz der Feuerwehr Freilassing eingerichtet und durch Zugführer Tobias Sperl geleitet. Der Einsatzleiter entschied sich aufgrund der Unsicherheit über den weiteren Einsatzverlauf und der Wetterlage dafür diesen Abschnitt zu bilden. Die Sammelstelle inklusive beheiztem Zelt war bereits um 03:35 einsatzbereit. Bis auf einen Trupp kamen die bereitgestellten 5 Trupps nicht mehr zum Einsatz.

Im weiteren Einsatzverlauf nutzten die in der Lok zu Nachlöscharbeiten eingesetzten Atemschutzträger die Logistik der Sammelstelle, um vom Wetter geschützt, sich komplett zu entkleiden und mit frischer Einsatzkleidung laut dem Hygienekonzept der Feuerwehr Freilassing neu auszustatten. Die Feuerwehr Freilassing nutzte das vom Freistaat Bayern aufgelegte Förderprogramm zur Beschaffung von Wechselkleidung für Atemschutzgeräteträger. Somit waren alle Atemschutzträger wieder sofort einsatzbereit für den nächsten Atemschutzeinsatz. Dieser lies nicht lange auf sich warten, am selben Tag um 23:30 wurde die Feuerwehr Freilassing zu einem B3 alarmiert.

Aufgrund der Witterung (Schneefall und Temperaturen unter dem Nullpunkt) wurde auch für warme Getränke im Zelt gesorgt.

Einsatzende

Nachdem die Nachlöscharbeiten um 06:00 Uhr beendet waren bauten die Einsatzkräfte sämtliche Einsatzmittel nach Rücksprache mit der Bahn und Bundespolizei zurück.

Die Einsatzstelle in Freilassing wurde um 06:41 der Bahn übergeben. Die Einsatzstelle in Ainring wurde kurze Zeit später um 06:47 ebenfalls an die Bahn übergeben.

Der mitalarmierte Rettungsdienst und der Fachberater THW wurden um ca. 06:30 aus dem Einsatz entlassen.

Nach dem Einrücken in das Feuerwehrgerätehaus war die Feuerwehr Freilassing bereits um 09:00 Uhr wieder komplett einsatzbereit.     

Außergewöhnliches Interesse der Presse

Ab Freitagmittag sehr starkes Interesse der Presse, zahlreiche Anfragen hauptsächlich von TV-Sendern:

Abendschau

SAT 1

Servus TV

AKTIV News

ARD Brisant

ZDF

Pro 7 Galileo

ORF

 

Radio

Antenne Bayern

Printmedien

Redaktion Feuerwehrmagazin

PNP

Eisenbahnkurier

Strake Zugriffe auf der Facebookseite

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Video vom “Geisterzug” ca.1.900 likes à Reichweite ca. 2.300.000

         


Einsatzart Brand
Einsatzstart 20. Januar 2023 02:51